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Monika Röth (monika), 19.03.2005

Nachlese zur ARD-Radionacht der Hörbücher

Bereits zum 5. Mal lädt der MDR während der Leipziger Buchmesse zur Nacht der Hörbücher, live aus dem City-Hochhaus oder bundesweit per Radio.

Wer die Leipziger Buchmesse besucht, der sollte sich den Freitag Abend frei halten. Den an diesem Tag lädt der MDR zur ARD-Radionacht der Hörbücher, live im Orchester- und Chorsaal des City-Hochhauses und bundesweit auf MDR FIGARO, Bayern2Radio, hr2, NDR Kultur, Nordwestradio-Radio Bremen/NDR, rbb Kulturradio, SR2 Kulturradio, SWR2, WDR5 und Deutschlandradio Kultur. Der Eintritt ist frei, wenn auch aus Platzgründen nicht unbegrenzt vorfügbar.

Man kommt also etwas früher, so eine halbe Stunde vor Einlaß haben wir uns gedacht und da gibt es dann auch schon die ersten Neuerungen: man lässt jetzt die Leute draußen im Regen warten. Na ja, man muß sparen und sei's nur an der Gastfreundschaft. Die Fans lassen sich davon nicht abhalten, den einige Gesichter kenne ich schon von den Vorjahren.

Nach dem Einlaß gibt es wieder den üblichen Kampf um den Sitzplatz. Den Orchestersaal hat man mit runden Tischen und Sesseln dekoriert, doch viele sind für VIP-Gäste reserviert. Wer etwas Geduld und Glück hat, der wartet. Denn manche der VIPs kommen nicht und so sitzt mancher Hörbuchfreund dann direkt vor der Bühne.

Wie auch in den Vorjahren führen Manuela Reichart und Thomas Bille gekonnt, routiniert durch den Abend. Alle Handys aus? Gut, dann kann's ja losgehen. Die Sender schalten zu und die beiden Moderatoren begrüssen die Hörer an den Radiogeräten.

Musikalisch wird der Abend von der Liveband Die sieben Leben aus Leipzig begleitet. Die Formation ist interessant. Nein, das versteht sich nicht abwertend. Aber einige der Instrumente habe ich im Leben noch nicht gesehen.

Der erste Gast ist der Autor Merlin Holland. Dieser ist der Enkel des großen Oskar Wilde und erzählt etwas aus dem Umgang innerhalb der Familie mit dem berühmten Opa. Er nennt ihn schlicht Oskar. Er hat sich in den letzten Jahren der Aufarbeitung des Lebens seines Großvaters gewidmet. Daraus ist ein Hörspiel Oscar Wilde im Kreuzverhör mit Ulrich Noethen, Marcus Kiepe, Christian Redl u.a. geworden, den der homosexuelle Oskar Wilde wegen Verleumnung anstrengt, obwohl der Prozeß von Anfang an auf verlorenem Posten steht. Der zu dieser Zeit höchst erfolgreiche und gut verdienende Wilde wird von seinem jungen Liebhaber in den Prozeß getrieben, verliert und beendet damit eine schillernde Karriere.

Von London geht es nach Bayern, den von dort kommt Udo Wachtveitl, der den Tatort-Kommissar Franz Leitmayr verkörpert. Er hält die Laudatio für den Hörkules 2005, dem Publikumspreis des Buchhandels. Gewählt haben die Buchhändler eine Liste von zirka 100 Titel, aus denen die Hörer per Stimmkarte ihren Favoriten wählen konnten. Die letzten drei werden dem Publikum präsentiert:

Loriots Klassiker, erschienen bei der Deutschen Grammophon. Loriots ist deutsches Humor-Urgestein und die Einspielung mit Hörbeispielen ist bei allen bekannt.

Der zweite vorgestellte Titel ist Die Päpstin von Donna W. Cross, einem Hörspiel des MDR, das Der Audio Verlag 2000 verlegt hat. Die Geschichte dreht sich um die historisch verbürgte Tatsache, das einmal eine Frau auf dem heiligen Stuhl gesessen hat und man begleitet den Weg der jungen Frau, die zunächst Mönch, Priester, Arzt und schließlich Papst wurde.

Der dritte Titel ist Der Schwarm von Frank Schätzing, ein Öko-Thriller in Hörspielbearbeitung aus dem letzten Jahr, das im Hörverlag erschienen ist. Die Gefahr kommt aus dem Meer, Flutwellen überschütten die Küsten, Bakterien vergiften das Trinkwasser und der Mensch wird zur gefährteten Art.

Udo Wachtveitl stellt alle Titel vor und fordert die Hörer an den Radiogeräten dazu auf, die Wahl zwischen den Finalisten per TED zu entscheiden. Irgendwie kommen mir Teile seiner Rede bekannt vor. Hat nicht Christian Brückner im letzten Jahr an gleicher Stelle Wort für Wort genauso formuliert. Na ja, Autoren sind teuer. Warum sich nach einem Jahr schon wieder etwas neues überlegen.

Es folgt ein Interview mit der Macherin des Ohrbären - Radiogeschichten für kleine Leute. Die Anfangsmelodie aus Peter und der Wolf ist sicher noch vielen im Ohr. Gemeinsam mit der Autorin Gudrun Mebs erzählt sie von der Arbeitsweise der Sendung für kleine Höreinsteiger.

Der Moderator Thomas Billes stellt weitere Titel für Kinder vor: Illias - Der Kampf um Troja, Die Kinder-Uni und Willy Watson und der Mops der Königin.

Erinnnern Sie sich noch an die Zeit der Frankfurter Buchmesse im letzten Herbst? Mit viel Medienecho wurde der erste Teil von Tad Williams Otherland vorgestellt. Nun ist der zweite Teil zu haben und in der ARD-Radionacht waren aus diesem Grund Regisseur Walter Adler und Sylvester Groth zu Gast. Von den eingespielten Arbeiten von Sylvester Groth kann er einen der Titel nicht mehr beim Namen nennen. Da sieht man, wieviel der Mann für's Hörbuch liest.

Die zweite Stunde der ARD-Radionacht beginnt mit Britta Höpers Spade Cooley - König des westlichen Schwungs. Sie erzählt die Geschichte eines Musikers der mit einem Vorläufer des Country zu plötzlichen Ruhms kommt, dessen Stern aber mit Erscheinen des Rock jäh sinkt. Alle Songtexte wurden in deutscher Sprache nachgedichtet und vom ebenfalls anwesenden Ulrich Bassenge neu komponiert.

Ingo Hülsmann liefert seinen Beitrag zum Schillerjahr und trägt Männerwürde vor - in schwäbischer Mundart. Die Übersetzung der ersten Zeilen gibt er netterweise auch noch.

Autor Wolf Wondratschek liest danach aus seinem Buch Mara. Mara ist ein Chello, das 300 Jahre alt ist und für die unsere Klassiker zeitgenössische Musik darstellen. Entsprechend spöttisch zieht es über Kulturgrößen, wie z.B. die berühmten Stradivaris her. Im Interview besteht Wondratschek übrigens, das dies nicht seine Aussagen sind. Es ist die Meinung von Mara, dem Chello.

Zum 100. Todestag von Jules Verne bringt der Hörverlag den zweiten Teil seiner Reihe mit Werken des legendären Science Fiction Autors. Nach 20.000 Meilen unter den Meeren im letzten Jahr wird heuer In 80. Tagen um die Welt veröffentlicht. Regisseur Stefan Dutt beschreibt den Weg des Hörspiels von den Sprecheraufnahmen über die Mischung der Szene, inklusive Geräusche, Musik, uvm.

Die dritte Stunde beginnt mit einer Gesprächsrund von Hörbuchverkäufern, der Leiterin einer Stadt-Bibliothek und Hörspieldramaturg Robert Karge und Peter Bosnic von Steinbach sprechende Bücher.

Man spricht über Paolo Coelho: Der Alchemist und was das entscheidente für ein erfolgreiches Hörbuch ist. Wird jeder Bestseller ein Hörbucherfolg? Eher nein. Im Hörbuchladen von Dirk Rodeck entscheidet der Preis. Sind Auszeichnungen wie der Hörkules eine Hilfe? Nein, kommt es von Rodeck. Da hätten die Moderatoren lieber eine andere Antwort gehabt.

Weiter geht es nämlich mit der Erinnerung an die TED Abstimmung. Etwas mehr als 1000 Leute haben inzwischen gestimmt und Die Päpstin liegt hauchdünn in Führung.

Wie wenige Personen über den Sieg entscheiden bringt der nächste Gast Benjamin von Stuckrad-Barre auf den Punkt. Danach gefragt, was ihn derzeit in der Schweiz hält antwortet er: Das gleiche, was über das Voting für den Hörkules entscheidet. Einzelne Personen.

Nach der Vorstellung des Hörbuch des Jahres 2004 mit Gottfried Benns Hörwerken 1928-56 aus dem Zweitausendeins Verlag ist es dann soweit:

Der Hörkules geht an Die Päpstin. Während Verlagsleiterin und Regisseur von den Fotographen belagert werden und vor der 3 Meter hohen Replik der kleinen Hörkules Statue posieren, bekommen die Hörer und die Anwesenden im Saal nochmals einige Ausschnitte aus dem Titel eingespielt.

Den Abschluß der ARD-Hörbuchnächte bildet traditionell ein Glanzlicht der Branche. Vor zwei Jahren konnte man Harry Rowohlt nach planmäßiger Lesung und Aufhebung des Rauchverbots kaum zum Aufhören bewegen - das Publikum war ganz auf seiner Seite. Im letzten Jahr war es Helge Schneider und in diesem Jahr strapazierte Axel Hacke mit Erzählungen von seiner Frau Paloma, seinem Sohn und seinem Kühlschrank BOSCH die Lachmuskeln.

Die ARD-Hörbuchnacht endete um Mitternach nach vier Stunden Hörbuch Highlights. Und jede Sekunde war es wert.

Monika Röth (monika)
e-mail: mroeth@audiobooks.at

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