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Monika Röth (monika), 28.01.2013

Joachim Bißmeier von ORF-Hörspiel-Jury zum "Schauspieler des Jahres 2012" gewählt

Joachim Bißmeier wurde von der ORF-Hörspiel-Jury zum "Schauspieler des Jahres 2012" gekürt. Die Ehrung wird im Rahmen der "Ö1 Hörspiel-Gala" am 1. März im Wiener ORF-RadioKulturhaus stattfinden.

Seit 1997 wählt eine Fachjury aus ORF-Hörspielregisseurinnen und -regisseuren die Schauspielerin oder den Schauspieler des Jahres. Diesmal fiel die Wahl auf Joachim Bißmeier, "eine nie in den Vordergrund drängende, präzise Stimme. Ein Schauspieler, der als Person stets zurückhaltend bleibt, sich für jede Rolle neu erfindet und so - selbst nach Jahrzehnten - unverbraucht bleibt". Die Ehrung des "Schauspielers des Jahres 2012" wird einer der Höhepunkte der "Ö1 Hörspiel-Gala" am 1. März im RadioKulturhaus sein, die Laudatio hält Hörspielregisseur Martin Sailer.

Zuletzt spielte der große hagere Mann einen anderen großen hageren Mann. Einen, der die deutsche Nachkriegsgeschichte wie kaum ein Zweiter prägte. In dem Fernseh-Zweiteiler "Stunden der Entscheidung", einem sogenannten Dokudrama, in dem Archivmaterial mit Spielszenen vermischt wird, verkörpert Joachim Bißmeier niemand Geringeren als Konrad Adenauer. "Grandios und präzise", befanden die Lübecker Nachrichten, die FAZ sprach gar von der "Rolle seines Lebens". Joachim Bißmeier sieht das etwas gelassener. Superlative sind ihm fremd. Er ist schon zu lange im Geschäft, hat zu viele Rollen im Theater, im Film oder im Fernsehen gespielt um sich jetzt, in seinem achten Lebensjahrzehnt, auf eine Einzelleistung festnageln zu lassen. "Bescheidenheit und Zurückhaltung", sagt der 1936 in Bonn als Sohn eines Schauspielers und einer Sängerin geborene Joachim Bißmeier, seien ihm in die Wiege gelegt worden. Er sei eben kein Showmensch, sagt Bißmeier, er ziehe sich unauffällig an und er bleibe am liebsten zurückgezogen und privat. Kurzum: Joachim Bißmeier entspricht so gar nicht dem gängigen Klischee, wonach Schauspieler exaltiert, exzentrisch und überdreht sein müssen. Seinen Rollen nähert er sich mit Vorsicht. Er hat keinen Leib- und keinen Lieblingsregisseur, neue "Sachen" reizen ihn mehr als "Altbekanntes", niemals wollte er "punziert" oder auf ein Fach "festgelegt" werden. Er liebt, sagt Joachim Bißmeier, Stücke die sich nicht gleich "auf den ersten Blick erschließen". Und er mag Texte und Themen, die ihn in der Vorbereitung eine "Weile beschäftigen". Unter den großen Schauspielern der Gegenwart ist Joachim Bißmeier vielleicht der Unbekannteste. Und das, obwohl seine Wirkungsstätten sich lesen wie das Verzeichnis der renommiertesten Theater im deutschsprachigen Raum. Von 1965 bis 1992 war der vielfach Ausgezeichnete Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, er spielte an der Schaubühne Berlin, im Berliner Ensemble, im Staatstheater Stuttgart, im Residenztheater München, in Frankfurt, in Zürich und bei den Salzburger Festspielen. Er spielte in Stücken von Strindberg und Goethe, er spielte Schnitzler, Büchner, Hofmannsthal und Moliere - und immer wieder Thomas Bernhard. Dazu kommen Film- und Fernsehrollen sonder Zahl, unter anderem spielte er an der Seite von Diane Kruger, John Malkovich oder Michel Serrault. Dennoch, sagt Joachim Bißmeier in der ihm eigenen, ebenso stillen wie unmissverständlichen Art, würde er nach mehr als fünfzig Jahren auf der Bühne und vor der Kamera, nicht von einer "großartigen Karriere" sprechen, eher schon von einer "intensiven und ausgefüllten Zeit."

Bißmeier absolvierte eine Schauspielausbildung an der Folkwangschule in Essen und debütierte 1960 in Wuppertal in Shakespeares "Othello". 1964 zog es ihn ans Theater der Courage nach Wien, ein Jahr später folgte das erste Engagement an der Burg. Aus denselben Jahren datieren auch die ersten Arbeiten für den Rundfunk. Bereits 1966 verzeichnet das Archiv das erste Hörspielengagement, "Die Baracke des Glücks", von Fritz Habeck. Seither ist Joachim Bißmeier kontinuierlich für den Rundfunk tätig. Es folgten Hörspiele nach Texten von Friedrich Heer und Peter Handke, von Franz Wedekind und Peter Henisch, von Julian Schutting, Franz Grillparzer, Peter Ustinow oder Russell Graves. Dabei, sagt Joachim Bißmeier ohne jede Koketterie, hatte er immer das Gefühl er "könne das nicht". Er hörte sich nicht gerne, er meinte mit dem Mikrofon nicht umgehen zu können und war zudem der Ansicht, man verstünde ihn nicht, wenn man ihn bloß hört und nicht sieht. Erst bei den letzten beiden Großproduktionen, dem vom Ö1-Publikum zum "Hörspiel des Jahres 2010" gewählten "Kleineren Reisen", einem Zweipersonenstück von Alois Hotschnig und der sehr österreichischen Rechts- und Restitutionsparabel "Kannitz" nach dem gleichnamigen Buch von Alfred J. Noll habe er den Eindruck gehabt, es könne klappen. Erst da, so Bißmeier, hätten - wohl auch dank der Mitspieler und der Regisseure - das Medium Radio und er zueinander gefunden. Mit gezählten 69 Hörspielarbeiten in viereinhalb Jahrzehnten ist der "Schauspieler des Jahres 2012" in Österreich Rekordhalter. Kein anderer Schauspieler und keine andere Schauspielerin hat in mehr Hörspielen mitgewirkt als "Sir Joachim". Dazu kommen Texte und Radiogeschichten, Romane in Fortsetzungen, Lyrikinterpretationen für die "Holde Kunst", Features und Dokumentationen.

Am 1. März wird Bißmeier als "Schauspieler des Jahres 2012" im RadioKulturhaus geehrt und folgt damit bisher Ausgezeichneten wie Rudolf Wessely, Michou Friesz, Martin Schwab, Bibiana Zeller, Peter Simonischek, Peter Matic, Andrea Clausen, Erwin Steinhauer, Chris Pichler, Elisabeth Orth, Cornelius Obonya oder Gerti Drassl.
Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter oe1.orf.at.

Quelle: OrF

Monika Röth (monika)
e-mail: mroeth@audiobooks.at

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