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Monika Röth (monika), 20.09.2012

"Im Zauberberg": Jürg Amanns "Der Kommandant"

Am Montag, den 24. September 2012 findet im ORF KlangTheater die Vorpremiere des Hörspiels „Der Kommandant. Die Aufzeichnungen des SS-Obersturmbannführers Rudolf Höß“ nach dem Buch von Jürg Amann statt. Die Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Im Zauberberg“ beginnt um 20.00 Uhr.

In Ö1 wird „Der Kommandant“ am 25. September ab 21.00 Uhr im „Hörspiel-Studio“ ausgestrahlt.

Rudolf Höß, von Mai 1940 bis November 1943 Lagerkommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, in dem mehr als eine Million Menschen gedemütigt, gemartert und ermordet wurden, galt als Familienmensch. Er liebte seine Frau, seine Kinder, seine Hunde und seine Pferde. Weil aber die „Öffentlichkeit“ in ihm bloß die „blutdürstige Bestie, den grausamen Sadisten, den Millionenmörder“ sehe, könne sie eben nicht verstehen, dass auch er „ein Herz hatte“ und „dass er nicht schlecht war.“ Er habe, sagt Rudolf Höß, „nie einen Häftling misshandelt oder gar getötet“. In der Zeit zwischen seiner Verhaftung nach Kriegsende und seiner Verurteilung zum Tod im Jahr 1947 legte Höß über sein Leben in schriftlicher Form „Rechenschaft“ ab. Er berichtet über seinen Werdegang, klagt über die Schwierigkeiten, die Vernichtungsmaschine Auschwitz in Gang zu halten und erzählt von seiner „unbändigen Liebe zum Vaterland“. „Die nationalsozialistische Weltanschauung“, sagt Höß, „hielt ich für die einzig artgemäße für das deutsche Volk.“

Der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann hat die Aufzeichnungen des Lagerkommandanten Rudolf Höß verknappt, strukturiert und 2011 als Buch herausgebracht. „Angesichts der Wirklichkeit“, schreibt Amann in einer editorischen Notiz, „ist alles Erfinden obszön.“ Die Aufnahmen für die Hörspielversion – mit Udo Samel in der Rolle des Lagerkommandanten Rudolf Höß - wurden an einen geschichtsträchtigen Ort verlagert: Der Regisseur und Soundkünstler Stefan Weber nutzte sowohl die Akustik als auch die Atmosphäre eines Bunkers beim Flakturm am Wiener Arenbergpark, um diese „erschütternde Selbstdenunziation“ (Jürg Amann) klanglich entsprechend verorten zu können.

Nach der Vorpremiere des Stücks im KlangTheater stellen sich der Regisseur Stefan Weber und der Historiker und Publizist Peter Huemer den Fragen des Publikums. Peter Huemer beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Rezeption des Nationalsozialismus und hat bereits in den 1960er Jahren Lesungen aus dem „Rechenschaftsbericht“ von Rudolf Höß veranstaltet. Durch den Abend führt Peter Klein. „Im Zauberberg“ beginnt um 20.00 Uhr im ORF KlangTheater, der Eintritt ist frei, Kostenersatz 4 Euro bei Reservierung. Weitere Informationen zum Programm des ORF-RadioKulturhauses gibt es auf der Homepage http://radiokulturhaus.orf.at oder über das Kartenbüro (Tel. 01/501 70-377).

Monika Röth (monika)
e-mail: mroeth@audiobooks.at

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